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Der osmanische Zollbeamte Emin


    Der osmanische Zollbeamte Emin erhob in Ploče die Steuern auf die Waren, die aus dem osmanischen Reich kamen. Der erste Emin kam am Ende des 15. Jahrhunderts nach Ploče, was bedeutet, dass der Karawanenverkehr schon zu dieser Zeit funktionierte.

    Zoll kassierten auch die Dubrovniker. Die Zollstelle befand sich im Palast Sponza. Heute ist dort das Staatsarchiv, nach dem französischen Historiker Fernand Brandel, das reichste Archiv der Mitterlmeerländer. Alles, was wir über die Lazarette in Ploče wissen, wurde in den im Archiv bewahrten Akten niedergeschrieben.

    Die Emin wohnten immer im 10. Lazarett. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts lebte dort ein Beamter, später oft auch zwei. Ihr Mandat dauerte jeweils sechs Monate oder ein Jahr. In ihrer Begleitung waren jeweils ein Schreiber und ein Diener.

    Emins und ihre Helfer waren einheimische Leute aus dem dubrovniker Hinterland, die Dubrovnik gut kannten und einen familiären Umgang mit den Bürgern pflegten.

Emin: inoffizieller osmanischer Konsul


    Der Emin war eine wichtige Person, aber nicht wie ein Zollbeamter, eher wie ein inoffizieller Konzul in Dubrovnik. Das 10. Lazarett war das inoffizielle osmanische Konzulat, eine Welt für sich in vollem Sinne des Wortes. Die Dubrovniker erhielten es mit viel Aufmerksamkeit, kalkten ordentlich, reinigten Toiletten und Feuerstellen, hielten das Dach in Stand, ebenso die Fenster, die Fußböden und die Badezimmer.

    Den Herrschern Dubrovniks war es wichtig, dass die Emin die osmanischen Reisenden in den Lazaretten unter Kontrolle hielten. Häufig klagten die Herrscher darüber, dass die Emin ihre Arbeit nicht gut machten, weil die osmanischen Reisenden die Quarantäneregeln nicht respektierten, sondern des Nachts durch die verschlossenen Türen des Lazaretts ausbrachen, die Sanitätssoldaten attackierten und von Ploče flohen. Ähnlich wie die Soldaten selbst, so dass die Emin in diesen Fällen machtlos waren.

Zustimmung zur Quarantäne


    Die Emin hatten die größten Probleme mit bosnisch-herzegovischen und albanischen Reisenden, die aus Alexandria kamen. Unter ihnen waren auch Hadji, islamische Pilger nach Mekka. Nach einer sehr langen Abwesenheit von zu Hause, konnten sie nur besonders schwer die Quarantäne ertragen, die normalerweise 40 Tage dauerte, denn in Alexandria grassierte häufig die Pest. Deshalb lesen die Emin sie eine Erklärung zur Respektierung der Quarantäneregeln unterschreiben. Diese Erklärung unterzeichneten im Jahr 1798 fünfzehn Reisende mit Siegeln und Fingerabdrücken.

    “...wir kamen mit dem Schiff eines dubrovniker Kapitänes aus Alexandria in den Hafen von Dubrovnik. Wir garantierten, im Einklang mit den alten Sitten, bis zum Ende der Quarantäne zu bleiben und den vollen Zoll zu zahlen, Gebühren sowie die Kosten für das Schiff und alles, was dem Bey zusteht. Also, wenn jemand von uns sich widersetzt, oder einen Streit anzettelt, wird die osmanische Staatskasse einen Teile unserer persönlichen Sachen und Handelswaren konfiszieren, der andere Teil wird dem bosnischen Gouverneur zufallen. Dieses Dokument wurde zu diesem Zweck geschrieben und mit Siegel bestätigt.”

Bestätigung des Hüdaverdi Bey


    Die Aufgabenliste des inoffiziellen osmanischen Konsuls war lang, weil er natürlich involviert war in alle Unternehmung der osamanischen und dubrovniker Untertanen.

    So kam zum Beispiel Hüdaverdi-Bey, ein Einwohner Elbasans, 1792 nach Ploče in der Hoffnung, dass ihn der dubrovniker Chirurg Lorenzo Giromella von einer Krankheit heilen könne, die ihn schon Jahre plagte. Vor dem Emin unterschrieb der Bey eine Erklärung, dass er “seinen Körper und seine Seele Giromella übergebe” und dass er ihm, wenn nach Gottes Willen die Operation erfolgreich sei, die verabredete Summe zahle. Wenn, was Gott verhüten möge, er nicht erfolgreich sei und der Bey sterben würde, sollten seine Eltern den Chirurgen nicht anklagen oder misshandeln.