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Der “Granatapfel-Hof”


    Wie die anderen Höfe in den Lazaretten hat dieser zwei geräumige Hallen mit offenem Bereich in der Mitte sowie eine Fensteröffnung zum Meer.

    In der Halle des Hofes lagerten Waren, vor allem Wolle, Leder, Pelze und Wachs, denn Desinfektionen wurden gewöhnlich in offenen Räumen vorgenommen.

    Jeder Hof außer dem ersten hatte einen Namen. Im 18. Jahrhundert wuchs ein Granatapfelbaum in diesem Hof, wonach er in der Folge den Namen “Bei dem Granatapfel” bekam.

Facchini und die Desinfizierung von Waren


    Träger, sogenannte Facchini, brachten die Waren in die Höfe, um diese dort zu desinfizieren. Ständig waren sie der Gefahr der Ansteckung ausgesetzt, weshalb sie ihr Leben fast ausschließlich in Quarantäne verbrachten. Nehmen wir zum Beispiel die Familie Pećarić. Vier Generationen dieser Familie, das ganze 18. Jahrhundert, desinfizierten sie Handelswaren. Am Ende des Jahrhunderts bauten sie von dem Verdienst ihrer Arbeit in den Pločelazaretts ein Haus und erwarben Weideland und einen Weinberg.

    Die Art der Desinfektion hing jeweils von der Art der Waren ab. Wolle wurde durchgelüftet, wenn sie die Facchini aus den Säcken leerten und auf Haufen lagerten, die ordentlich gewendet und umgesetzt wurden. Pelze wurden geschüttelt, gelüftet und umgesetzt, Leder mit Tüchern gerieben, Wachs wurde in Süß- oder Salzwasser eingeweicht.

Die schlechte Seite des Durchzuges


    Der Gittertür des Hofes zu verdanken und der Öffnung zum Meer hin, strömte ständig Luft, die unerlässlich war für die Desinfizierung.

    Unterdessen konnte sich der Luftzug in einen heftigen Durchzug verwandeln. So geschah es im April 1797. Ein starkes Unwetter vom Meer her wehte die Pfeife eines Facchini weg. Die Wolle im Hof entzündete sich und im Nu entstand ein Feuer. Zum Glück konnte es schnell gelöscht werden.

Verseuchte Schiffe


    Am Anfang des 19. Jahrhunderts erreichten einige verseuchte dubrovniker Schiffe die Gewässer Dubrovniks. Vermutlich kamen sie von Malaga, wo zu dieser Zeit die Pest grassierte. Kapitäne, Besatzungen und Reisende versammelten sich in den Höfen, deren Türen und Öffnungen zum Meer hin mit Brettern verschlossen waren und deren Durchgänge zu den Nachbarhöfen mit Steinen vermauert waren. 80 Tage verbrachten sie in absoluter Isolation.

Der Hof Bagiafer


    Ein Hof des dubrovniker Lazarettes war bekannt als Bagiafer oder auch in der Variante Babagiafer. Die Bezeichnung bezieht sich auf Baba Giafer, ein berüchtigtes istanbuler Gefängnis, das einen Hof hatte und in Küstennähe lag. Also, nur diejenigen, die das Innere von Baba Giafer gesehen hatten, konnten dem Lazarett den Namen Bagiafer geben. Die folgende Geschichte mag Aufschluss über die Identität dieser Person geben.

    In den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts kam es zum schwersten diplomatischen Konflikt zwischen der Republik Dubrovnik und dem osmanischen Reich. Der berüchtigte Großwesir Kara-Mustafa sperrte drei dubrovniker Diplomaten in das Gefängnis Baba Giafer. Über den schlimmsten Moment, den sie im Hof während der Gefangenschaft erlebten, schrieben sie später: “sie zerrten uns aus dem finsteren Kerker und brachten uns in einen Hof, wo uns sofort der Henker ansprach und mit Schlägen und Folter drohte”.

    Die Diplomaten konnten die Torturen vermeiden, blieben aber 504 Tage in Baba Giafer. Nach einer einen Monat dauernden Reise, kehrten sie letztlich nach Dubrovnik zurück. Natürlich konnten sie nicht sofort nach Hause, sondern mussten erst ins Lazarett, waren also wieder eingesperrt. Deshalb ist zu vermuten, dass sie sich mit bitteren Scherzen an die Tage in Gefangenschaft erinnerten, sodass sie dem Hof des Lazaretts den Spitznamen Bagiafer gaben.

    Die Bezeichnung Bagiafer war gebräuchlich solange die Lazarette in Funktion waren, etwa bis Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts.