Zurück Home

Erste Quarantänemaßnahmen


    Die Bevölkerung Dubrovniks führte im Jahr 1377 Maßnahmen zum Schutz vor der Pest ein. Nach der Meinung vieler Historiker waren dies die weltweit ersten derartigen Schutzmaßnahmen. Die Dubrovniker, mit Herz und Seele Händler, organisierten ein Quarantänesystem, das verhinderte auch in Zeiten großer Pestgefahr den Handel unterbinden zu müssen.

    Nach einer Verordnung aus dem Jahr 1377 mussten alle, die aus verseuchten Gebieten kamen, sich unmittelbar zu einer einmonatigen Quarantäne nach Cavtat oder auf die Insel Mrkan begeben. Den Einwohnern Dubrovniks war es nicht erlaubt, Reisende in Quarantäne zu besuchen. Wer sich dem Verbot widersetzte, musste sich selbst in Quarantäne begeben.

Lazarette vor den Lazaretten in Ploče


    Nicht lange nach dem Inkrafttreten der Verordnung von 1377, erweiterte die Obrigkeit das Quarantänegebiet auf die Inseln Bobara und Supetar, und danach auch auf das Kloster St. Maria auf der Insel Mljet.

    In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde ein Lazarett auf der Halbinsel Dance in der westlichen dubrovniker Vorstadt eingerichtet. Aber dies war entfernt von der Karawanenstraße, die auf der anderen Seite der Stadt, in Ploče, endete.

    Aus diesem Grund begann man in den 1530er Jahren mit dem Bau eines Lazaretts auf der Insel Lokrum. Dies wurde, vermutlich aus strategischen Gründen, nicht vollendet. Es drohte die Gefahr, dass die Venezianer die Insel einnahmen und sie mit dem Lazarett wie ein Bollwerk gegen die nahe Stadt nutzen würden.

    In dieser Zeit wurde für die Reisenden Quarantäne in Häusern und Baracken in Ploče organisiert, wo auch ihre Waren einer Desinfizierung unterzogen wurden. Obwohl man der Meinung war, dass Ploče der richtige Ort für Lazarette sei, war die Obrigkeit unentschlossen, weil sie offenkundig nicht wünschten, den Lazarett-Gebäudekomplex in unmittelbarer Nähe der Stadt zu wissen.

Die Lazarette in Ploče


    Der Handelsverkehr über Dubrovnik ab dem 15. Jahrhundert wuchs schnell, hauptsächlich den Beziehungen zum osmanischen Reich zu verdanken. Obwohl diese Beziehungen zu Anfang nicht immer gut liefen, war das große osmanische Heer, das einzige geschulte professionelle Heer der damaligen Welt, zwar bis zu den Grenzen Dubrovniks vorgedrungen, griff die Republik Dubrovnik allerdings nie an.

    Für die Osmanen, hauptsächlich Krieger und Eroberer, war auch der Handel wichtig. Gleichermaßen war auch für die Dubrovniker der freie Handel von Bedeutung, für den sie sich als besonders talentiert erwiesen und von dem sie gut lebten. Die Interessen beider Staaten waren glücklich verbunden, mit der klugen Abmachung, dass die Osmanen Dubrovnik schützten, die Dubrovniker im Gegenzug für den Schutz einen jährlichen Tribut entrichteten.

    Und so wurde Dubrovnik, anstelle von osmanischen Soldaten, von mit osmanischen Waren beladenen Karawanen überschwemmt, die für die dubrovniker und italienischen Märkte bestimmt waren. Die Karawanenstraße endete in Ploče, weshalb die Lazarette hier errichtet wurden. Der Bau nahm zwei Jahrzehnte in Anspruch, von 1627 bis 1647.

Quarantäne


    Da das osmanische Reich nicht über entsprechende Anordnungen zum Schutz vor Pest verfügte, standen sowohl Reisende als auch Waren stets unter Verdacht. Außerdem drohte die Pest zeitweilig auch aus dem Westen.

    Deshalb waren die dubrovniker Lazarette immer voll belegt. Bestand keine ernsthafte Bedrohung einer Pestgefahr, dauerte die Quarantäne 3 bis 30 Tage, drohte ernsthaft Gefahr 40 Tage und mehr.

    Hippokrates vermutete, die Inkubationszeit für ansteckende Krankheiten wie die Pest liege bei höchstens 40 Tagen. Vermutlich bekam auf der Grundlage dieser Überlegungen die Isolation verdächtiger Personen und Waren die Bezeichnung “Quarantäne”.

Wissen über die Pest in der Vergangenheit


    Hippokrates war der Ansicht, dass die Pesterreger durch ansteckende Luft übertragen wurden. Galen entwickelte die Theorie von Übertragungsursachen der Infektion nicht nur durch die Luft, sondern auch durch abgestandenes Wasser und nicht begrabene Leichen. Als Prävention vor Krankheiten erachtete er Hygiene und Ernährung als wichtig.

    Das Volk glaubte über Jahrhunderte, dass die Pest ein Ausdruck Gottes Zorns sei, und dass Dämonen Hexen und andere unheilbringende Gestalten antrieben, die Pest zu provozieren. Darüber hinaus glaubten sie, dass die Pest beeinflusst war, durch die Position der Planeten, der Finsternis, Fall von Meteoren und Kometen sowie Erdbeben.

    Zum Schutz vor der Pest rieten mittelalterliche Ärzte: “Renne schnell, renne weit, komme zurück so spät wie möglich.” Außer in der Flucht suchte man Schutz vor der Pest in der Quarantäne, dem Gebrauch von desinfizierendem Essig, Süß und Salzwasser, Interpretation von Sonne und Wind sowie das Ausräuchern.

    Eine populäre Universalmedizin, Teriak genannt, die aus bis zu 60 Wurzeln, Heilkräutern, Körnern, Gewürzen und gehacktem Schlangenfleisch hergestellt wurde, galt als Schutz vor Erkrankung an Pest.

Yersinia pestis


    Während die Menschen den Blick gen Himmel richteten, verbreitete unbemerkt ein Duo die Pest: die Ratte (Rattus rattus) und der Rattenfloh (Xenopsyla cheopis). Die Flöhe ernährten sich vom Blut ihres “Wirtes”, der Ratte, solange dieser lebte. War der Wirt “erkaltet”, verlieren sie ihn, stachen Menschen und infizierten sie auf diese Weise. Die Inkubationszeit betrug etwa sieben Tage. Die Folge war Beulen, Septische oder Lungenpest. Die Menschen starben innerhalb weniger Stunden bis zu fünf Tagen.

    Im Laufe des 19. Jahrhunderts, in der Zeit von Epidemien in China und der Mongolei, konnte der Schweizer Bakteriologe Alexandre Yersin erfolgreich den Pesterreger isolieren. Dies war der Bazillus, der in der Folge nach seinem Entdecker den Namen Yersinia pestis trug.

    Die Pest wird heute mit Antibiotika behandelt.

Epidemien in Dubrovnik


    Bis zum 16. Jahrhundert grassierte die Pest im Gebiet Dubrovniks im Abstand von dreieinhalb bis zehn Jahren in stärkerer und schwächerer Intensität.

    Die dubrovniker Bevölkerung wendete die üblichen Schutzmaßnahmen gegen die Pest an, außerdem flehten sie um Hilfe gen Himmel. Wie in anderen christlichen Ländern hörte man in Dubrovnik Messen und veranstaltete Prozessionen zum Schutz vor der Pest. Man baute Votivkirchen benannt nach der Hauptschutzheiligen für Pestkranke, Maria Verkündigung, sowie nach den Schutzheiligen St. Sebastian und St. Roko.

    Während der schlimmsten Epidemie in den Jahren 1526/27 starb etwa ein Viertel der Bevölkerung der Republik Dubrovnik, annähernd 20.000 Menschen. Man vermutet, dass ein aus Ancona kommender Schneider die Quarantäne umging und unerlaubt die Stadt betrat. Er wurde zum Tode verurteilt. Man schob ihn auf einem Wagen durch die Stadt und folterte ihn mit glühenden Zangen zu Tode. Vermutlich hat er auf diesem Weg viele angesteckt....

Sanitätsabsperrung


    Obwohl aus dem osmanischen Reich die ständige Gefahr von Pest drohte, und trotz der schlimmen Erfahrungen der Jahre 1526/27, verringerten sich die Krankheitsfälle auf dem Gebiet Dubrovniks.

    Wir glauben, dass der Schlüssel zum Erfolg eine Sanitätsabsperrung war, ein System von Anti-Pest-Maßnahmen, womit die Dubrovniker das ganze Land unter Kontrolle hielten.

    Sobald im Hinterland die Pest auftrat, wurde der Staat in acht Bezirke geteilt, einer davon war Ploče mit den Lazaretten. In jedem Bezirk wurden Sanitätsassistenten eingesetzt, “Cazamorti” oder “Totenjäger” genannt. Als Hilfe des Sanitätsheeres überwachten die Cazamorti die lokalen Straßen, behielten Hirten und ihre Herden im Auge, verfolgten die Bewegungen der Einheimischen und passten auf, dass niemand die Grenze überschritt.

Pest in den Lazaretten


    Der Erfolg der Quarantänemaßnahmen in den Lazaretten und im gesamten dubrovniker Bereich zeigt sich am besten in den Ereignissen der 60er und 80er Jahre des 18. Jahrhunderts. Die Pestepidemien dieser Zeit rafften im umliegenden venezianischen Dalmatien und im osmanischen Bosnien zehntausende Leben dahin, während die Republik Dubrovnik nur eine unbedeutende Zahl von Opfern zu beklagen hatte.

    Die Vorstadt Ploče und die Lazarette verzeichneten nur eine geringe Zahl von Pestfällen. Im 18. Jahrhundert wurden mehrfach infizierte Personen erwischt, doch die Dubrovniker konnten jedes Mal erfolgreich eine Ausbreitung der Krankheit verhindern. Obwohl sie verpflichtet waren, die mediterranen Gesundheitsbehörden über ein Auftreten der Pest auf dubrovniker Gebiet zu unterrichten, taten sie dies nicht. Der dubrovniker Händlernerv zeigte sich stärker als das Gewissen.

    In der Zeit der Lazarette in der Vorstadt Ploče konnte nur eine Epidemie das Stadtgebiet Dubrovniks erfassen. Anfang Januar 1691 erschütterten die Stadtmauern, im Zeitraum von drei Monaten starben 90 Personen.

Das besondere Merkmal der Lazarette von Ploče


    Im Jahr 1724 gaben die Dubrovniker den Lazaretten in Ploče ein besonderes Merkmal. Das Bollwerk gegen die Pest integrieren sie als einen Teil in die städtische Festung.

    Im Jahr 1979 wurde Dubrovnik in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO auf-genommen. 1994 wurden auch die dubrovniker Lazarette der Liste hinzugefügt.